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Wer ein Werkzeug empfiehlt, sollte wissen, wem es gehört

Anthropic Wortmarke

Bevor ich einer Führungskraft ein Werkzeug empfehle, stelle ich mir eine Frage, die in den meisten Digitalisierungs-Gesprächen fehlt: Nicht nur, was kann es - sondern wem gehört es, wovon lebt es, und wofür steht es. Bei generativer KI ist diese Frage inzwischen genauso wichtig wie die nach der Funktion. Ich nutze Claude von Anthropic - seit Langem, jeden Tag, und aus Gründen, die ich hier einmal ausführlich darstelle, statt sie nur in einem Vortrag zu erwähnen.

Keine Abkürzung, sondern eine Reise

Ich bin nicht als Experte gestartet. 2023 habe ich aus Neugier die ersten Prompts mit Google Bard ausprobiert, dann mit Gemini - aus der Spielerei wurde langsam ein Werkzeug. Den eigentlichen Anstoß gab ein Gespräch mit Jonas Dageförde, heute CDO in Kiel: „Wie bringt man starre Strukturen in Bewegung?“ Daraus wurde eine Kooperation mit gemeinsamen KI-Projekten und Vorträgen. Über erste No-Code-Automatisierungen und den Einsatz von Langdock im Unternehmenskontext bin ich schließlich bei Claude gelandet - heute die Schaltzentrale für fast alles, was ich digital erledige: Texte, Recherche, Dokumente, Auswertungen, ganze Automatisierungen.

Kein Masterplan. Neugier, ein gutes Gespräch und die richtige Frage - mehr braucht ein Anfang nicht. Aber jede Station hatte ihren Zweck, und am Ende dieser Reise stand eine bewusste Entscheidung, kein Zufall.

Wer heute vorne mitspielt - und wo Claude steht

Bevor ich erkläre, warum ich mich für Anthropic entschieden habe, lohnt sich der Überblick über das Feld. Es gibt nicht „die KI“ - es gibt eine Handvoll Anbieter mit unterschiedlicher Herkunft, unterschiedlichen Eigentümern und unterschiedlichen Schwerpunkten:

  • OpenAI (ChatGPT/GPT) - 2015 gegründet, seit 2019 eng mit Microsoft verbunden, die größte Marktbekanntheit und der Auslöser des öffentlichen KI-Booms Ende 2022.
  • Anthropic (Claude) - 2021 von ehemaligen OpenAI-Forschern gegründet, mit explizitem Fokus auf Sicherheit von Anfang an. Dazu unten mehr.
  • Google (Gemini) - tief integriert in Workspace, Gmail und Android, mit einer der größten Dateninfrastrukturen der Welt im Hintergrund.
  • Microsoft (Copilot) - kombiniert OpenAI-Technologie mit der Microsoft-365-Welt, in vielen Konzernen der von der IT ausgerollte Standard.
  • Meta (Llama) - offene Modellgewichte, mit denen sich Unternehmen unabhängig von einem Cloud-Anbieter machen können.
  • Mistral und weitere europäische Anbieter - mit dem erklärten Anspruch, europäischer Datenschutz sei kein Zusatzfeature, sondern der Ausgangspunkt.

Die Frage ist längst nicht mehr, ob ein Unternehmen KI einsetzt - sondern wer, wie und mit welchen Regeln. Genau deshalb lohnt sich der Blick auf die Firma hinter dem Werkzeug, nicht nur auf die Funktion.

Wem das Werkzeug gehört

Team von Anthropic am Whiteboard bei einer Forschungsdiskussion
Bei Anthropic arbeiten. Quelle: anthropic.com

Anthropic ist keine klassische Aktiengesellschaft mit Rendite als einzigem Auftrag. Das Unternehmen ist als Public Benefit Corporation verfasst - mit einer Public-Impact-Pflicht, einem zusätzlichen Treuhand-Gremium zur Kontrolle und einer expliziten Grenze: keine Waffen. Das ist kein Stiftungsmodell, sondern eine eigenständige Unternehmensform - aber eine, die etwas bedeutet: Sie bestimmt, wem gegenüber ein Unternehmen Rechenschaft schuldet. Bei einer klassischen AG sind das Vorstand und Aktionäre, begrenzt nur durch das Gesetz. Bei Anthropic kommt eine zusätzliche Ebene dazu.

Der Name selbst trägt die Haltung schon in sich: „Anthropic“ kommt vom altgriechischen „anthropos“ - Mensch. Der Anspruch, den Menschen in den Mittelpunkt der KI-Entwicklung zu stellen, statt ihn nur als Nutzer zu betrachten. Auf der eigenen Unternehmensseite beschreibt sich Anthropic so: „Anthropic is an AI safety and research company. We build reliable, interpretable, and steerable AI systems.“ Sicherheit vor Tempo, nicht als Werbesatz, sondern als erster Satz der Selbstbeschreibung. Gegründet wurde das Unternehmen 2021 von ehemaligen OpenAI-Forschern, die selbst aus der KI-Entwicklung kamen - mit konkreten Sicherheitsbedenken zu genau dieser Technologie. Diese Haltung passt zu meiner eigenen: Werkzeuge einsetzen, aber verstehen, kontrollieren, verantworten. Ich empfehle nichts ungeprüft weiter, auch nicht, wenn es gerade der größte Hype ist.

Sicherheit als Prinzip, nicht als Lippenbekenntnis

Werte lassen sich nicht beweisen - aber an Struktur, Verträgen und Veröffentlichungen ablesen. Anthropic betreibt eigene Forschung zur Interpretierbarkeit - dem Versuch zu verstehen, was in einem Modell tatsächlich passiert, statt es als Blackbox zu behandeln. Dazu kommt eine selbstauferlegte „Responsible Scaling Policy“: neue Fähigkeiten werden nur ausgebaut, wenn die Sicherheitsvorkehrungen mithalten. Und es gibt Transparenz nach außen - Modellkarten, System Cards, veröffentlichte Grenzen und bekannte Schwächen, statt eines bloßen „Vertrauen Sie uns“.

Für meinen Alltag heißt das konkret: 2026 kam die Claude Compliance API hinzu, mit 28 Sicherheits-Integrationen (unter anderem CrowdStrike, Microsoft Purview, Okta), SOC-2-Type-II- und ISO/IEC-42001-Zertifizierung sowie vier rollenbasierten Claude-Zertifizierungen. Das sind keine Marketing-Begriffe, sondern die Art von Nachweisen, die ich auch bei jedem anderen Dienstleister verlange, bevor ich ihm etwas anvertraue.

Datenschutz: der Vertrag entscheidet, nicht das Werkzeug

Im kostenlosen oder normalen Bezahl-Chat ist das Training standardmäßig eingeschaltet, die Server stehen in den USA - für sensible Daten also nicht geeignet. Im Enterprise- oder API-Vertrag dagegen ist Zero Data Retention möglich, und es gibt einen Auftragsverarbeitungsvertrag nach Artikel 28 DSGVO - firmentauglich. Der Merksatz, den ich auch Führungskräften mitgebe: Der Vertrag entscheidet, was mit den Daten passiert, nicht der Name des Werkzeugs. Das gilt für jedes KI-Werkzeug, nicht nur für Claude - aber es ist einer der Punkte, an denen ich bei Anthropic sauber nachvollziehen kann, welche Stufe was bedeutet.

Was Claude für mich anders macht als ChatGPT, Gemini und Copilot

Vier Dinge fallen mir im täglichen Gebrauch immer wieder auf, gerade im Vergleich zu den anderen großen Anbietern:

  • Ein sehr großes Kontextfenster. Ganze Verträge oder Dokumente lassen sich auf einmal verarbeiten, statt sie in Häppchen zerlegen zu müssen - ein Unterschied, den ich bei Recherchen über 80-Seiten-Dokumente täglich spüre.
  • Eine zurückhaltendere Grundhaltung. Wird eine Antwort unsicher, formuliert Claude in meiner Erfahrung eher vorsichtig statt forsch zu behaupten. Das nimmt einem nicht die Prüfpflicht ab, macht sie aber leichter.
  • Code als Kernstärke, nicht als Zusatzfunktion. Die eigenständige Entwicklungsumgebung nutze ich, um eigene kleine Werkzeuge zu bauen - vom Umfrage-Tool bis zur Automatisierung meines Post-Workflows.
  • Eine offene Haltung nach außen. Veröffentlichte Grundsätze statt bloßer Beteuerungen - siehe oben.

Beim Preismodell gibt es einen Unterschied, der in Beratungsgesprächen selten zur Sprache kommt: Bei Claude zählt der tatsächliche Verbrauch, kein starres Abo-Kontingent. Bei vielen anderen Anbietern läuft ein gebuchtes Abo weiter, auch wenn es kaum genutzt wird - mehr Bedarf bedeutet automatisch die nächste, teurere Stufe. Ein Geschäftsführer, der in einem meiner Vorträge saß, wollte sofort mit der kostenlosen Version loslegen - nach drei Anfragen war für den Tag Schluss. Die freie Stufe eignet sich zum Reinschnuppern, nicht zum Arbeiten.

Ehrlich bleiben: wann Claude nicht meine erste Wahl ist

Wer ein Werkzeug prüft, bevor er es empfiehlt, muss auch sagen können, wann es nicht dran ist:

  • Wer komplett in der Google-Welt arbeitet - Gmail, Docs, Android - hat mit Gemini oft die kürzeren Wege.
  • Rollt die eigene IT in einer Microsoft-365-Umgebung Copilot aus, ist das im Konzernalltag der pragmatische Standard - die Lizenz ist ohnehin da.
  • Für Bild- und Video-Erzeugung in Serie führen spezialisierte Werkzeuge, die genau darauf trainiert sind.
  • Wo Daten das Haus grundsätzlich nicht verlassen dürfen, gehören offene, lokal betriebene Modelle wie Llama oder Mistral in die engere Wahl.

Ich schaue mir dabei bewusst auch europäische Alternativen an - etwa n8n und Nextcloud für Automatisierung und eigene Cloud, DeepL für Übersetzung, Mistral als europäisches Sprachmodell oder Aleph Alpha aus Heidelberg. Wo eine Lösung gleichwertig ist, verdient sie aus meiner Sicht den Vorzug - wegen der Datenwege, der Verträge und der Unabhängigkeit.

Für Text, Dokumente, Code und geprüfte Antworten bleibt meine Wahl trotzdem Claude - aus genau den Gründen, die ich hier beschrieben habe.

Was das für Sie bedeutet

Ich rede hier nicht als Software-Verkäufer, sondern als jemand, der ein Werkzeug jeden Tag selbst anwendet, mit allen Chancen und Grenzen - und der es erst empfiehlt, nachdem er es im eigenen Betrieb getestet hat. Prüfen Sie bei jedem KI-Werkzeug, das Sie einsetzen wollen, dieselben Fragen: Wem gehört es? Wovon lebt der Anbieter? Was passiert vertraglich mit Ihren Daten? Die Antwort muss nicht immer Claude lauten - aber die Frage sollten Sie sich stellen, bevor die Antwort für Sie jemand anderes trifft.

Bildnachweise: Wortmarke, Icon und Team-Foto: anthropic.com, verwendet zur inhaltlichen Bezugnahme im Rahmen dieses Beitrags. Alle Rechte liegen bei Anthropic PBC.

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